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  Die Artikulation

Die Artikulation

Das akustische Gesamtprodukt des Sprechvorgangs ist abhängig von den individuellen anatomischen und physiologischen Gegebenheiten. Alle Menschen benutzen zwar die gleichen Organe zum Sprechen, die aber in ihren Proportionen und in ihrer Beweglichkeit individuelle Besonderheiten aufweisen. Im Verlauf von Wachstums- und Alterungsprozessen verändert sich diese individuelle anatomische Grundausstattung (z. Bsp. durch das Schädelwachstum bei Kindern, den Zahnwechsel, den Verschleiß von Knorpeln und Bändern), und erfordert so ständige Anpassungsleistungen der Artikulationsbewegungen. Die organische Ausstattung und die motorische Funktion schaffen gemeinsam den unverwechselbaren individuellen Klang der Stimme und die typischen Merkmale der Aussprache.
Kleinkinder entwickeln Artikulationsbewegungen zunächst aus spielerischer Aktivität, die später willkürlich eingesetzt wird, um einen bestimmten akustischen Effekt zu erzeugen. Dieser akustische Effekt ist im weiteren Entwicklungsverlauf immer häufiger ein Sprachlaut aus der Umgebungssprache des Kindes, den es zu imitieren versucht. Der Grad der feinmotorischen Präzision hängt von der neuronalen Reife des jeweiligen Entwicklungsstadiums ab.
Das Zuhören hat für die Ausspracheentwicklung im Vergleich zum Absehen von Mundbewegungen einen höheren Stellenwert, da nur ein Teil der Sprechbewegungen (etwa 20 %) sichtbar ist, beispielsweise die Bewegungen der Lippen und des Unterkiefers. Wesentlicher für die Lautbildung sind aber Bewegungen, die im Inneren der Mundhöhle stattfinden, nämlich die der Zunge, des Gaumensegels, des Kehlkopfes, aber auch des Zwerchfells bei der Atmung.
Kinder in der Sprachentwicklung erwerben nicht isolierte Sprachlaute sondern Wörter oder Kombinationen aus Wörtern, die sie zum Zweck der Kommunikation anwenden. Einzelne Sprechbewegungen bleiben dem Kind – und später auch dem Erwachsenen – völlig unbewusst. Zum präzisen und schnellen Ablauf werden Sprechbewegungen zu einem motorischen Programm zusammengefasst, dessen Grundlage die Silbe ist. Dieses motorische Programm koordiniert die Aktivitäten sämtlicher am Artikulationsprozess beteiligter Organe.

Die Artikulationsorgane 

Der Artikulationstrakt (bzw. Ansatzraum) besteht aus drei Hohlräumen: dem Mundraum, dem Rachenraum, dem Nasenraum. Durch Veränderungen ihrer Größe und Form können innerhalb dieser Hohlräume unterschiedliche akustische Schallsignale erzeugt werden.
Schallsignale benötigen sauerstoffhaltige Luft als Trägermedium. Die Luft, die wir zum Sprechen nutzen, nimmt ihren Weg von den Lungen über die Luftröhre durch diese drei Hohlräume. Sie kann dort an der weiteren Strömung kurzfristig gehindert werden, wie bei den so genannten Stoplauten, den Explosiven: p, b, t, d, k, g. Gelegentlich hat sie Engpässe zu überwinden, was die Strömungsdauer verlängert und ein Rauschen bewirken, wie bei den Reibelauten oder Frikativen (f, w, j, ch, sch, s, z). Oder sie wird umgelenkt und strömt durch die Nase, wie bei den Nasenlauten oder Nasalen (m, n, ng).  Passiert die Luft während der Artikulation zuerst die Engstelle zwischen den Stimmbändern (Stimmritze oder Glottis), erhalten die betroffenen Sprachlaute einen Stimmklang, sind also stimmhaft.

 

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