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  Die Kommunikation

Kommunikation ist ein wesentlicher Bestandteil und ein existentielles Grundbedürfnis sozialer Lebewesen. Zur Befriedigung dieses Bedürfnisses existieren spezifische Signal- oder Symbolsysteme.

Tierische und menschliche Kommunikationssysteme unterscheiden sich deutlich. Menschliche Sprachen ermöglichen durch ihr abstraktes Zeichensystem eine zeit- und situationsunabhängige Verständigung. Im Gegensatz dazu sind beispielsweise die akustischen Äußerungen, Mimik und Körperhaltung von Hunden und Katzen immer situationsgebunden und können auch nur so interpretiert werden.

Ein spezifisch menschliches Kommunikationssystem ist die Lautsprache. Sie wurde im Verlauf der Menschheitsgeschichte von tausenden Generationen erprobt und über den notwendigen Informationsaustausch hinaus zu einem Werkzeug des Denkens und einem Ausdrucksmittel persönlicher Identität weiterentwickelt. Sprache ermöglicht uns, Dinge zu benennen und Vorgänge zu beschreiben, andere in ihrem Denken, Handeln und Fühlen zu beeinflussen, über Sprache zu lernen und zu lehren, Handlungen zu planen und Probleme zu bewältigen und eigene Gedanken und Gefühle auszudrücken.

Sprache ist immer an Gemeinschaften gebunden. Verwendet wird sie von ihren Individuen, deren Nachkommen (zumindest im Fall menschlicher Artgenossen) sich das Zeichensystem der Verständigung erst aneignen müssen. Die erforderlichen Fähigkeiten zur Produktion und Verarbeitung sind abhängig von Reifungsprozessen und einer Umgebung mit Vorbildfunktion, d.h. sprechenden Menschen. 
Kein menschliches Individuum spricht die Sprache seiner sozialen Lebensgemeinschaft so wie ein anderes. Diese individuell unterschiedlichen Sprachgewohnheiten, sozusagen der persönliche Dialekt, werden als Idiolekt bezeichnet. Idiolekte bilden die persönliche Identität. Innerhalb bestimmter Regionen entsteht aus den zahlreichen Idiolekten einer Sprachgemeinschaft ein Dialekt. Der Dialekt verdeutlicht die geographische Identität einer sprechenden Person. Verschiedene Dialekte zusammen bilden eine Sprache, die unabhängig von Regionen und politischen Regelungen existiert. (Beispielsweise wird Französisch in ca. 40, englisch in etwa 50 Staatengemeinschaften gesprochen.)
Dialekte einer Sprache unterscheiden sich in der Aussprache, im Wortschatz und teilweise auch in der Grammatik. Unterschiede, die ausschließlich die Aussprache betreffen, nennt man Akzent. Spezifische Sprachgewohnheiten, die sich im Stil und in der Ausdrucksweise zeigen und (von Soziologen) bestimmten Gesellschaftsschichten zugeordnet werden, bezeichnet man als Soziolekt.
Standardaussprache (oder Standardlautung) ist die reine Form des Hochdeutschen. Ihre Regeln sind im „Duden der Deutschen Aussprache“ festgeschrieben. Im Gegensatz zur Umgangssprache ist sie überregional, sehr deutlich und stark an der Schriftsprache orientiert. Je größer und überregionaler der Zuhörerkreis und je offizieller der Sprechanlass (Unterricht, Vortrag, Radio- oder Fernsehbeiträge oder ähnliches), desto eher wird die Standardaussprache erwartet und gesprochen.  
Sprachliche Merkmale, also alle Akzente, Dialekte und Sprachen sind Werturteilen unterworfen. Positiv beurteilt wird, wer flüssig spricht und eine der Standardlautung möglichst ähnliche Aussprache verwendet.

Kommunikationsmittel

Signale oder Symbole eines Sprachsystems müssen von den beteiligten Kommunikationspartnern physikalisch produzierbar und sinnlich wahrnehmbar sein. Dabei werden unterschiedliche Fähigkeiten vorausgesetzt,
  • Die Lautsprache wird durch Bewegungen im Mund-Kehlkopf-Bereich und Bewegungen der Atmungsorgane erzeugt und mit dem Gehör wahrgenommen.
  • Schriftsprache besteht aus grafischen Zeichen und wird über die Augen wahrgenommen.
  • Die Blindenschrift (Braille) wird durch technische Hilfsmittel erzeugt und über den Tastsinn der Finger wahrgenommen.
  • Die Tastsprache der Taubblinden (Lorm) wird durch Fingerbewegungen in die Hand erzeugt und über die gesamte Handfläche tastend wahrgenommen.

Die Lautsprache

Zum Zweck der Verständigung entwickelten menschliche Lebensgemeinschaften ein System akustisch wahrnehmbarer Zeichen. Physikalisch gesehen sind lautsprachliche Zeichen Schallwellen, die in sauerstoffhaltiger Luft übertragen werden und in dieser Form für Bruchteile von Sekunden existieren. Die Organe, die zur Produktion von Sprachlauten genutzt werden, haben diese Funktion im Laufe der Menschheitsentwicklung zusätzlich übernommen. Ursprünglich hatten sie ausschließlich lebenserhaltende Aufgaben, nämlich Atmung, Nahrungsaufnahme, Schutz vor Erstickung. Im Sprechablauf übernehmen sie die Sprechatmung, die Stimmgebung und die Aussprache.
Zur Erzeugung von Lautsprache gibt es also nicht ein einzelnes „Sprechorgan“, sondern mehrere Organe, die als Funktionssystem zur Sprachproduktion einheitlich gesteuert werden. Lautsprache erfordert einen koordinierten und sehr schnellen Bewegungsablauf. Damit der eigentliche Zweck der Kommunikation, die Mitteilung eigener Gedanken und die beabsichtigte Wirkung, ungestört bleiben, laufen Sprechbewegungen automatisiert und unbewusst ab.

Die Schriftsprache

Neben der Lautsprache ist ein weiteres bedeutendes Kommunikationsmittel die Schrift. Schrift macht Sprache dauerhaft und sorgt so für die Überlieferung von Wissen und Erkenntnissen, unabhängig von der Existenz der Lautsprache.
Schrift entwickelte sich zunächst über die Darstellung gedanklicher Inhalte in graphischen Zeichen (z. Bsp. heute noch im Chinesischen). Nahezu unbegrenzte gedankliche Inhalte erfordern eine wachsende und unübersehbare Menge von Zeichen, die das Erlernen und Beherrschen dieser Schrift erschwert. Ein paar Jahrtausende später entwickelten sich daher Schriften, deren Grundlage die Umsetzung akustischer Zeichen in graphische Zeichen bildete. Dazu wurden markante Merkmale der gesprochenen Sprache identifiziert. Das waren zunächst Silben (wie z. Bsp. heute noch in der Japanischen Silbenschrift) und später einzelne Laute, die zur Buchstabenschrift führten. Heute werden von den meisten Sprachgemeinschaften Buchstabenschriften verwendet. Sie bietet die Möglichkeit, mit einem begrenzten Zeicheninventar nahezu unbegrenzt Gedanken darzustellen. Auch unsere Schrift ist eine Buchstabenschrift.

Kinder erlernen Schriftsprache als 2. Sprachsystem nach dem Erwerb der Lautsprache. Zur Umsetzung von gesprochener Sprache in Schrift müssen akustische Einzelereignisse wahrgenommen werden, die typische und unveränderliche Merkmale tragen. Diese Laute werden auf das Buchstabensystem übertragen, wobei bestimmte, vereinbarte Regeln (z. Bsp. Rechtschreibung und Zeichensetzung) eingehalten werden müssen.

Weitere Kommunikationsmittel

Neben der tragenden Rolle, die der Lautsprache im Verständigungsprozess zukommt, gibt es noch weitere Äußerungsmittel mit unterstützender (manchmal auch ersetzender oder bedeutungsklärender) Funktion:
  • Die Mimik: der Gesichtsausdruck und mimische Bewegungen
  • Die Proxemik: die Körperhaltung und Bewegungen des Oberkörpers
  • Die Gestik: Hand- und Armbewegungen
  • Die Prosodie: Lautstärke, Sprechmelodie, Betonung, Rhythmus und Sprechtempo
Diese sekundären Kommunikationsmittel sind in ihrem Bedeutungsgehalt immer kontextabhängig, d.h. sie beziehen sich auf die parallele Sprachäußerung und auf die aktuelle Situation.

Der Kommunikationsvorgang

Am Beginn eines Kommunikationsvorgangs steht das Bedürfnis nach Kommunikation, die Mitteilungsabsicht. Beteiligt sind am Kommunikationsvorgang immer zwei oder mehrere Personen, die jeweils sendende und empfangende Funktion haben. Die sendende Person sondert das Kommunikationsmittel ab (produziert die Signale) und die empfangende Person nimmt es auf (verarbeitet und versteht die Signale). Im Einzelnen verläuft der Kommunikationsprozess folgendermaßen:
  1. Kodierung: Ein gedankliches Konzept (Wörter und Sätze) wird in lautsprachliche Zeichen übertragen.
  2. Sprechen: Dieses Konzept lautsprachlicher Zeichen wird in einen Bewegungsablauf der Atmungs-, Stimmgebungs- und Artikulationsorgane umgesetzt.
  3. Hören: Die lautsprachlichen Zeichen werden als akustische Signale wahrgenommen.
  4. Dekodierung: Die akustischen Signale werden durch Zerlegung in Einzelheiten (Silben und Laute) erkannt.
  5. Verstehen: Den erkannten Zeichen wird Bedeutung zugeordnet und der Inhalt emotional bewertet.

Die Entwicklung der Kommunikation

Kommunikation ist eine Vorraussetzung für die emotionale, die soziale und die geistige Entwicklung des Kindes. Schon lange Zeit, bevor kleine Kinder zu sprechen beginnen, kommunizieren sie mit Hand- und Armbewegungen (Gestik), Blicken, Gesichtsbewegungen (Mimik) und Köperhaltung. Sie betätigen sich mit kommunikativen Spielhandlungen, in dem sie Spielzeuge hergeben und die Hand aufhalten, um sie wieder zu bekommen. Erste Lautproduktionen mit Brabbellauten, die an die Mutter oder den Vater gerichtet sind, und erste „Wechselgespräche“ auf dem Wickeltisch, bei denen sich Mutter und Kind abwechseln, kennzeichnen den Beginn der sprachlichen Kommunikation. Unterstützung erfährt ein Kind in seiner kommunikativen Entwicklung durch häufige Ansprache und gemeinsame Beschäftigung mit seinen Bezugspersonen.

 

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