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  Die Sprachproduktion

Sprache ist ein willkürliches System abstrakter Zeichen, auf das sich eine Gruppe von Menschen geeinigt hat, um sich zu verständigen. Das Zeichensystem gesprochener Sprachen besteht aus Schallsignalen. Diese akustischen Signale, auch Sprechschall genannt, werden durch Öffnen und Schließen der beteiligten Artikulationsorgane im Mund-, Rachen- und Nasenraum erzeugt. Mund-, Rachen- und Nasenraum werden auch als Ansatzraum (oder Ansatzrohr oder Vokaltrakt oder Sprechtrakt) bezeichnet. Der Ansatzraum besteht aus Hohlräumen, die zur Erzeugung hörbarer Schallsignale genutzt werden. Unterschiedliche Laute werden durch die unterschiedliche Nutzung und Gestaltung der Hohlräume gebildet. Durch Muskelkraft werden die Artikulationsorgane so bewegt, dass sie bestimmte Einstellungen einnehmen und dadurch den angestrebten Höreindruck erzeugen. Im Unterschied zur Körpermotorik benötigt die Artikulationsmotorik nur minimale Kräfte, um die Muskelspannung der Organe zu halten oder ihre Lage zu verändern. Sprechbewegungen erfolgen nach dem Prinzip des geringsten Kraftaufwandes und sind daher den feinmotorischen Prozessen zuzuordnen.

Sprechbewegungen laufen im Hochgeschwindigkeitstempo ab. Pro Sekunde produzieren wir in rhythmischer Folge etwa 15 –20 Sprachlaute. Die dafür erforderliche präzise zeitliche Koordination im Bewegungsablauf der Atmungs-, Stimmbildungs- und Artikulationsorgane wird durch ein differenziertes sensorisches Kontrollsystem simultan gesteuert und überwacht:
  1. Das propriozeptive Feedback (Stellungsempfinden, Körpergefühl) kontrolliert die Stellung und Lage der Gelenke und Organe über Rückmeldungen aus den Bewegungen der Sprechmuskulatur.
  2. Das taktil – kinästhetische Feedback (Tastsinn, Bewegungs- und Vibrationsempfinden) kontrolliert die Muskelbewegungen und Schleimhautempfindungen im Mund, im Rachenraum und im Kehlkopf.
  3. Das auditive Feedback kontrolliert das hörbare Ergebnis der motorischen Aktivitäten.
Unser sensorisches Kontrollsystem vergleicht die Sprechbewegungen mit dem Sprachklang und den noch im Kurzzeitgedächtnis befindlichen Bausteinen der Äußerung aus der Sprachplanungsphase. Stimmen Planung und Ausführung nicht überein, wird korrigiert.
Artikulationsbewegungen und sensorische Kontrolle werden im Laufe des Spracherwerbs zu automatisierten Abläufen. Sie sind Bestandteile des Sprachverarbeitungs- und Sprachproduktionsprozesses, die überwiegend unterhalb unserer Bewusstseinsschwelle arbeiten. Simultane sensorische Kontrollfunktionen erzeugen reflexartige Reaktionen der Atmungs-, Stimmbildungs- und Artikulationsorgane, die ebenfalls nicht bewusst wahrgenommen werden.
Fehlfunktionen in der Koordination des Bewegungsablaufs oder im Kontrollsystem führen zu Störungen des Sprechvorgangs.

 

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